Naturheilverfahren

Naturheilverfahren

 

Der Begriff „Naturheilverfahren“ fasst Therapiekonzepte der Westlichen Medizin zusammen, die systemisch geprägt sind und im weiteren Sinne naturheilkundlichen, empirisch geprägten Traditionen folgen.

Eine über viele Jahrhunderte ungebrochene Tradition, wie sie z.B. der Ayurveda oder die Chinesische Medizin aufweisen, ist in der westlichen Medizin verloren gegangen. Doch auch hierzulande hat die Naturheilkunde zweifellos eine historische Dimension. Wie in der Chinesischen Medizin können wir auch im Westen fünf klassische medizinische Behandlungstraditionen der Naturheilverfahren definieren:
•    Die Arzneitherapie, vornehmlich mit Heilpflanzen, mineralischen und tierischen Substanzen
•    Manuelle Behandlungstechniken
•    Stimulations- und Ausleitungsverfahren mit technischen Hilfsmitteln
•    Diätetische Maßnahmen
•    Bewegungs- und Entspannungsverfahren

Anders als Indien und China lag Europa stets im Brennpunkt verschiedener kultureller Einflüsse. Die Medizin der Antike, die wesentlich von Galen geprägt wurde, kann am ehesten als „Westliche Traditionelle Medizin“ bezeichnet werden. Ihre Tradition reicht über das Mittelalter zurück bis in die Spätantike. Seinen Höhepunkt erreichte der sogenannte Galenismus mit dem Modell der Humoralpathologie in der Mitte des 16. Jahrhunderts, als er mit schöpferischen Kräften die Medizin der Renaissance und die aufstrebenden Naturwissenschaften prägte.

Im 17. und vor allem im 18. Jahrhundert gerieten die alten galenischen bzw. humoralmedizinischen Modelle zunehmend in Widerspruch zu den neuen naturwissenschaftlichen Erkenntnissen. Das Modellhafte des galenischen Denkens wurde mit Beginn der Aufklärung immer weniger verstanden und schließlich verworfen.
Den ersten Paradigmenwechsel erfuhr die Westliche Medizin Mitte des 18. Jahrhunderts, als zunehmend mechanistische und materialistische Gesichtspunkte in den Vordergrund traten. Der französische Philosoph La Mettrie sprach 1747 sogar vom „l’homme machine“, vom Menschen als Maschine.

Die Systemische Medizin der Gegenwart prägt den zweiten notwendigen Paradigmenwechsel in der Medizin. Die Systemische Medizin verabschiedet die seit der Aufklärung vorherrschenden biomechanistischen ebenso wie die alternativen ganzheitlichen Erkenntnismodelle der Medizin und steht für eine Neuorientierung der Medizin an der Biologie als Leitwissenschaft unter den modernen Naturwissenschaften. Der kranke Mensch wird als biologisches System ins Zentrum eines vernetzten therapeutischen Konzeptes mit gesamtmedizinischem Versorgungsanspruch gestellt. Dieses Konzept ist auf die Selbstregulation von Form und Funktion des biologischen Systems Mensch ausgerichtet. Der Arzt bzw. Therapeut übernimmt die Rolle des Behandlers, Beraters und Coachs, und der Patient zeigt Eigeninitiative und Eigenverantwortung in der selbstständigen Umsetzung der gesundheitsbildenden und präventiven Lebensführung.

 

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